IDSTEIN - Sie nennen sich schlicht „Weibsbilder“, und das trifft es ziemlich gut: Die schlanke, langhaarige Anke Brausch und die korpulente Claudia Thiel als Eifeler Politessen in ihrem elften Programm, „Durchgangsverkehr - ausgebremst und abgezockt“, sind respekt- und hemmungslos, provokant und schlagfertig, selbstironisch und vor allem zum Brüllen komisch. Die Landfrauen Wörsdorf wussten, wen sie sich einluden, denn zum Auftakt der Veranstaltungsreihe in Kooperation mit der Scheuer 2010 war das Kabarett-Duo schon einmal zu Gast. Und so ist das Publikum aller Altersklassen – darunter sogar einige mutige Männer – in der in diesem Jahr an zwei Abenden ausverkauften Scheuer bei Äppler bereits vorher bester Stimmung.
Die Politessen fackeln nicht lange: Der erste Strafzettel wegen „Farbterrorismus“ geht sofort an eine Kleidungskombination in Beige und Braun, und der erste (für Wörsdorf) hübsche gesichtete Mann wird zum Lüstling erklärt, der Frauen hinterher guckt. So wundert auch Brauschs Erklärung mitten in ihrer Schimpftirade gegen Autoaufkleber mit Kindernamen, Abijahrgang und Hundeentjungferungsdatum nicht, sie könne mit ihrem Aufkleber „Hupen Sie nur, wenn Sie kleine Genitalien haben“ in Ruhe vor der grünen Ampel ihre Whatsapp-Nachrichten beantworten...
Dass Thiel, von Brausch als „Pralinenfriedhof“ betitelt, selbst der „biblische Sportlehrer Pilatus“ nicht beim Abnehmen helfen kann („Hat das Blümchen einen Knick, war das Bienchen wohl zu dick“ ), liegt an ihrer „Lebensmittelschwangerschaft“: Sie ist eben nicht dick, sondern hat eine Cremefüllung. Und dann muss sie im Solo als Schutzengel mit Harfe auch noch Gelb tragen, „wie das aufträgt!“ Dafür erzählt die später kittelbeschürzte Christel mit Tuchknoten vor der Stirn von ihrer Tätigkeit als Besamerin und ihrer Bewerbung als Landmaschine...
Armer Andreas
Hinreißend spielt die gelernte Lehrerin Brausch die siebenjährige Schülerlotsin Tinecke, die keine Freunde braucht, denn sie hat Wurst mit Gesicht im Kühlschrank. Mit ihren Fragen löchert sie alle, um nicht dumm zu bleiben, denn sonst kriegt man später keinen Job und kommt in den Har(t)z...
Thiel auf herrlich lasziver Männersuche im Obi („er muss nur ‚Vorritzsägeaggregate‘ hauchen“) entdeckt im Publikum „Apostel“ Andreas, der 40 Jahre verheiratet und ab jetzt ständiges Witzeobjekt ist („Wie lange müsst ihr denn noch?“).
Auch als sie später als vergeistigte und näselnde Gundula mit Häkelkäppi und Strickzeug („es geht ja nur ums Raus und Rein“) mit sieben Kindern durch „In-Vino-Befruchtung“ nun mit der volltrunkenen Ex-Psychologin Britta auf Führerscheinrückgabe wartet, kann sich das Publikum kaum vor Lachen auf den Stühlen halten.
Zwischen haarsträubend wortgewaltigen Duellen und dramaturgisch hinreißenden Musikeinlagen dürfen die ach so geschmähten Männer nicht nur einige heiße Sprüche mitnehmen („Montag ist das Schamhaar auf der Zahnbürste des Lebens“), sondern Andreas bekommt zum Trost Brauschs neues Buch gratis – nur eine Zugabe war eigentlich zu wenig.


