Mo. 10.08. 2015

Der Sound zum Leben

geschrieben von Usinger Anzeiger

OPEN-AIR-FESTIVAL Das Gelände der alten Ziegelei wird für zwei Tage zum Mekka für Freunde guter Rockmusik

NEU-ANSPACH/WEHRHEIM - (pl). Wo sich sonst Fuchs und Hase „Gute Nacht!“ sagen, ging am vergangenen Wochenende die Post ab. Das Gelände der alten Ziegelei zwischen Neu-Anspach und Wehrheim verwandelte sich für zwei Tage zu einem Open-Air-Festival und wurde das Mekka für die Freunde guter Rockmusik. Am Freitag und Samstag traten dort Bands auf, die man ansonsten in der Region nicht zu Gesicht bekommt.

Marcel Scherpenzeel und Gerry McAvoy geben alles.

Marcel Scherpenzeel und Gerry McAvoy geben alles.

Zuerst gab es einen britischen Bluesrock-Abend mit Rory Gallaghers „Band of Friends“ und „The Brew“, tags drauf ging es mehr im „Mainstream“ zu Sache. Dann standen „Remode“ mit ihrer Depeche Mode Show auf der Bühne und „Just Pink“ sorgte als Headliner des zweiten Abends für einen fetzigen Abschluss der Livemusik. Denn danach ging es bei der Frischluftdisco mit DJ Jochen noch bis in die Puppen weiter. Die Mischung und Zusammenstellung der Livebands war gut gewählt. Schließlich steckte als Veranstalter das Team des renommierten Musiklokals „Die Scheuer“ in Idstein-Wörsdorf dahinter. Allen voran Inhaber und Betreiber Achim Schmidt, der nicht nur ein gutes Gespür für angesagte Musik hat, sondern vor allem Kontakte weit über die musikalischen Grenzen von Deutschland hinaus.

Jason Barwick (The Brew) badet in der Menge.

Jason Barwick (The Brew) badet in der Menge.

Entspannte Atmosphäre auf dem Gelände.

Entspannte Atmosphäre auf dem Gelände.

Die Fans kamen teilweise von weit her, um ihre Lieblingsbands zu sehen oder um einer langen Tradition zu folgen. In den 70er-Jahren als Steinbruch-Festival zwischen Idstein und Wörsdorf aus der Taufe gehoben, fanden dort die ersten Rockkonzerte statt. Nun hat das Festival als „Scheuer Open Air“ seit wenigen Jahren im Hochtaunuskreis eine neue Heimat gefunden.

Ob aus Darmstadt, Heidelberg oder Baden-Baden, die Besucher scheuten keine lange Anreise, denn sie wissen, was ihnen an musikalischer Qualität geboten wird. Und wer beide Konzerttage genießen wollte, der konnte auf dem weitläufigen Gelände sogar zelten oder campen, was nicht wenige nutzen. Aus der Region hätten es durchaus etwas mehr Besucher sein können. Die Autos auf dem eigens für das Festival eingerichteten, großzügigen Parkgelände zeigten in der Überzahl auswärtige Kennzeichen. Aber auch hier waren Planung und Organisation vorbildlich.

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Remode-Sänger Detlef Kloss - Foto: Usinger Anzeiger/Ludl

Gemütliches Plätzchen.

Gemütliches Plätzchen.

Keine Parkplatzsuche, kostenloses Parken und nur wenige Meter gehen, schon war man mitten im Geschehen. In geradezu klassischer Besetzung traten „Band of Friends“ und „The Brew“ auf – jeweils reduziert auf Gitarre, Bass und Drums. Jeder einzelne Musiker hat dabei viel mehr zu tun und meist ist es der Gitarrist, der dann auch noch singt. So zumindest bei diesen beiden Bands. Bluesrock-Fans kamen voll auf ihre Kosten und die Shows waren hörens- wie sehenswert. Marcel Scherpenzeel, der holländische Gitarrist und Sänger der „Band of Friends“ brachte die Licks so, wie Rory Gallagher Fans sie schätzen und lieben. „The Brew“ ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Die Band mit Frontmann, Gitarrist und Sänger Jason Barwick lieferte eine energiegeladene Bühnenshow ab und Jason nutzte zum Spiel auf der Gitarre auch schon mal den Geigenbogen wie Jimmi Page in früheren Jahren. Das Drum Solo von Kurtis Smith dürfte vielen Zuschauern in Erinnerung bleiben. Anders als bei den Originalen des Synthie-Pops, Depeche Mode, haben Remode einen E-Bass integriert. Der wird von Heike Nolden gespielt, die sich eigens für die bekannten Hits der Synthie-Pop-Gruppe Basslinien erarbeitet hat. Nicht ohne Grund wird „Remode“ als eine der angesagtesten Depeche-Mode-Tributebands aus Deutschland bezeichnet.

Was „Just Pink“ auf die Bühne legten, brachte die Fans aus dem Häuschen. Hier ist es nicht nur die Authentizität der Songs, die von Sängern Vanessa Henning perfekt transportiert wird. Auch die Bühnenshow, Outfits und Choreografie sind angelehnt an das Original.

Bei Just Pink gehört die Choreographie dazu.

Bei Just Pink gehört die Choreographie dazu.

So waren es dann auch die außergewöhnlichen Bekleidungen von Vanessa und ihren Backgroundsängerinnen, die immer wieder dafür sorgten, dass rings um die Bühne die Smartphones zum Fotografieren oder Filmen gezückt wurden. Der Sound war an beiden Tagen hervorragend. Die hiesige Firma Adam Hall hatte eine großzügige Anlage bereitgestellt. Wenn Tontechniker Elliot John Schweigert nicht selbst am Mischpult saß, unterstützte er die Livemixer der jeweiligen Bands. Man kann es eigentlich nur Leidenschaft nennen, was Achim Schmidt jetzt bereits zum zweiten Mal auf seinem Privatgelände mit enormem Aufwand auf die Beine gestellt hat und hoffen, dass sich diese Veranstaltung mit den Jahren noch besser in der Region etablieren wird.